Entwicklung der interkommunalen Zusammenarbeit und des Virtuellen Gründerzentrums Schwalm-Eder
Gemeinsame Ziele und regionale Strategien
Die Kommunen in der Region Schwalm verfolgen seit vielen Jahren das Ziel, ihre Entwicklung stärker gemeinsam zu gestalten. Im Fokus stehen eine abgestimmte regionale Entwicklungsplanung, die Festlegung gemeinsamer Strategien und eine bessere Nutzung sozialer und kultureller Infrastrukturen. Dabei sollen lokale Stärken gezielt ausgebaut, Standortnachteile ausgeglichen und die Potenziale der einzelnen Gemeinden vernetzt werden – mit dem Ziel, die Region als attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraum zu stärken.
Ein frühes Beispiel für diese Zusammenarbeit war die Gründung des Vereins Schwalm-Touristik e. V. im Jahr 1998 durch die Gemeinden Schrecksbach und Willingshausen. Damit wurde das bisherige Verkehrsbüro der Schwalm abgelöst und die Verantwortung für Fremdenverkehr und Außenmarketing in einen gemeinsamen Träger überführt.
Strukturwandel, A49 und wirtschaftliche Neuausrichtung
Mit dem Weiterbau der Autobahn A49 nach Süden wurden neue Impulse für die Regionalentwicklung gesetzt. Die Chancen, die mit einer verbesserten Verkehrsanbindung einhergehen, sollten genutzt werden, um dem wirtschaftlichen Strukturwandel aktiv zu begegnen und die interkommunale Kooperation zu intensivieren.
Besondere Bedeutung gewann ab 2002 die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaftsförderung und Ansiedlungspolitik. Geplant wurden unter anderem die Gründung eines gemeinsamen Gründerzentrums sowie die Erschließung interkommunaler Gewerbeflächen. Bereits im Sommer 2002 wurde zwischen Schwalmstadt und Frielendorf die Ausweisung des Gewerbegebiets „Hollenbach II“ vereinbart.
Gründung des Virtuellen Gründerzentrums Schwalm
Ein Meilenstein war die Gründung des Virtuellen Gründerzentrums Schwalm (VGZ Schwalm) im Mai 2005. Träger waren die Kommunen Schwalmstadt, Frielendorf, Gilserberg, Schrecksbach und Willingshausen. Im November desselben Jahres entstand daraus der Zweckverband Schwalm. Ziel war es, Gründerinnen und Gründer professionell zu beraten und auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten – unabhängig von Branche oder Gründungsidee. Das niederschwellige Beratungsangebot wird unter dem Motto „Jede Idee ist es wert besprochen zu werden!“ etabliert.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Verein Regionalentwicklung Schwalm-Aue e. V. (ehemals gegründet 1996, erweitert und umbenannt 2008) ermöglichte es, Gründungsvorhaben auch durch Mittel aus dem EU-Förderprogramm LEADER zu unterstützen. Die Schwalm-Aue wurde sowohl für die Förderperiode 2007–2013 als auch für 2014–2020 als LEADER-Region anerkannt.
Erweiterung und Professionalisierung des VGZ
2020: Pilotphase mit zehn Kommunen
Ab 2020 wurde das Beratungsangebot des VGZ Schwalm im Rahmen einer fünfjährigen Pilotphase auf zehn Kommunen ausgeweitet. Neu hinzu kamen die Gemeinden Neuental, Borken, Wabern, Jesberg und Bad Zwesten. Ziel war es, die Beratung von Gründungsinteressierten in der gesamten Region zu verbessern. Das Team wurde um einen ehrenamtlichen Berater verstärkt.
2022: Ausbau auf 13 Kommunen
Mit Wirkung zum 01.01.2022 wurde das Beratungsgebiet um drei weitere Kommunen – Homberg (Efze), Knüllwald und Schwarzenborn – erweitert. Das VGZ arbeitete nun in drei kommunalen Zweckverbänden: Schwalm, Schwalm-Eder-West und Schwalm-Eder-Mitte. Ein weiterer ehrenamtlicher Berater verstärkt das Team in diesem Bereich.
2025: VGZ Schwalm wird VGZ Schwalm-Eder
Zum 01.01.2025 wurde das Gründerzentrum in VGZ Schwalm-Eder umbenannt – ein logischer Schritt angesichts der stark gewachsenen Reichweite. Neu hinzu kamen acht weitere Kommunen: Ottrau, Oberaula, Edermünde, Körle sowie die Städte Neukirchen, Niedenstein, Felsberg und Melsungen. Damit deckt das VGZ Schwalm-Eder nun 21 Städte und Gemeinden im gesamten Schwalm-Eder-Kreis ab.
Um dem gestiegenen Bedarf gerecht zu werden, wurde das ehrenamtliche Beraterteam weiter ausgebaut. Zudem wurde zum 01.04.2025 die Position einer stellvertretenden Geschäftsführung geschaffen.
Fazit
Das Virtuelle Gründerzentrum Schwalm-Eder steht heute für engagierte, kommunal getragene Gründungsförderung in einer ländlich geprägten Region. Die enge Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren, die gezielte Nutzung von Förderprogrammen und die stufenweise Erweiterung des Angebots machen das VGZ zu einem Best-Practice-Modell für interkommunale Kooperation und nachhaltige Regionalentwicklung.
